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Jubiläumsjahr

"100 Jahre Künstlergruppe Brücke 1905-1913":


Frühe Druckgrafik der "Brücke"
4. Juni-11.September 2005

 

Am 7. Juni 2005 jährt sich die Gründung der expressionistischen Künstlergruppe „Brücke“ zum hundertsten Mal. Zum Auftakt der Aktivitäten zum runden Jubiläum zeigt das Brücke-Museum frühe Druckgraphik aus seiner Sammlung. Mit Holzschnitten, Lithographien und Radierungen aus den Jahren 1904 bis 1908 wird die Stilrichtung gezeigt, in der die Künstler zum Zeitpunkt der Gründung ihrer Gruppe arbeiteten. Die frühen Arbeiten sind Ausgangspunkt der jungen Künstler auf ihrer Suche nach dem Unkonventionellen und Neuen. Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff wollten mit ihrer Kunst ein modernes Lebensgefühl ausdrücken und stilistisch neue Wege beschreiten. Gleichzeitig war ihr erklärtes Ziel, das Gefühl und subjektive Erleben einer Situation zu verbildlichen. Der Blick auf die Graphik der „Brücke“ in den ersten Jahren ihrer Zusammenarbeit ist spannungsvoll, da sie sich besonders eignete, mit verschiedensten innovativen Anregungen zu experimentieren. Insbesondere mit ihrem Holzschnitt erreichte die „Brücke“ dann einem Höhepunkt nicht nur in ihrem eigenen Schaffen, sondern ganz allgemein in der Klassischen Moderne in Deutschland.

Anfangs ist die Graphik der „Brücke“ vor allem dem Jugendstil verpflichtet. Die jungen Künstler hatten die populären Zeitschriften ihrer Zeit studiert, woraus sie die eleganten Linien und kontrastreichen Flächen sowie eine schönlinige Ästhetik übernahmen. Auch die zugespitzte Reduzierung auf die wichtigsten Bildelemente, die sie in den Karikaturen des „Simplicissimus“ fanden, war wichtig für ihre weitere Entwicklung, da sie die Ausdruckskraft enorm zu steigern vermochte.
Eine wichtige Etappe auf dem Weg zum autonomen „Brücke“-Stil war auch die Auseinandersetzung mit dem japanischen Farbholzschnitt. Hierbei war vor allem die Lösung von althergebrachten europäischen Sehgewohnheiten bedeutsam. Der Mut zu ungewöhnlichen Formaten und unkonventionellen Bildausschnitten wurde stimuliert. Vor allem aber vermittelte der japanische Holzschnitt die Möglichkeiten jenseits der traditionellen Zentralperspektive, was bei der „Brücke“ letztendlich zum vollkommenen Bruch mit der traditionellen Räumlichkeit führte.
Die Künstler in ihrer jugendlichen Neugierde saugten jede Anregung begierig auf, drehten und wendeten sie, ob sie ihrem eigenen Ausdruckswollen dienlich war. So versuchten sie sich in der Umsetzung der Malerei des Neoimpressionismus in den Holzschnitt, was von großer Freude am Unkonventionellen zeugt. Die Pinselstriche der Ölfarbe wurden dabei als bewegte Schnitte aufgefasst. Auch um den leidenschaftlichen Duktus Vincent Van Goghs in die Graphik zu übertragen, wurde diese Methode gewählt, so dass einzigartig neue Holzschnitte entstanden.
Ab 1907 begannen die Künstler, direkt ohne Vorzeichnung ins Holz zu schnitzen, so dass die Impulsivität und Spontaneität der Idee zu sehen ist. Wichtige Impulse waren hier von Edvard Munch ausgegangen, der bei seinen Holzschnitten häufig die Maserung des Holzes mitdrucken ließ, so dass dessen Charakter deutlich sichtbar blieb. Diese Materialgerechtigkeit übernahmen die „Brücke“-Künstler ebenso, wie sie die Arbeitsspuren in die Gestaltung einbezogen.

Der Weg zur Blüte des „Brücke“-Holzschnitts und damit zu einem der wichtigsten deutschen Beiträge zur Kunstgeschichte der Moderne ist in den gezeigten Blättern abzulesen. Die Graphik erhielt im Schaffen der „Brücke“ einen gänzlich neuen Stellenwert, indem sie als künstlerischer Ausdruck gleichberechtigt neben den anderen Techniken stand. Fast durchgängig sind es eigene Handabzüge der Künstler. Das Drucken selbst mit der Einfärbung der Druckplatte und dem Aufdrücken des Papiers waren ein wichtiger Teil der Kunst. Damit wurden die graphischen Arbeiten der „Brücke“ zu Unikaten, die facettenreich den Entstehungsprozess eines neuen Stils, nämlich des Expressionismus, erkennen lassen.
Die Ausstellung zeigt eine Auswahl der attraktivsten Blätter aus dem Bestand des Brücke-Museums, der im Bereich der frühen Druckgraphik über 360 Arbeiten umfasst.